Zeitenwende
- Gunnar Petrich

- 26. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Dez. 2025

Heute wurde die Zeit umgestellt, so sagt man umgangssprachlich. Aber eigentlich sind es ja nur die Uhren, die umgestellt wurden oder sich via Betriebssystem automatisch neu justieren. Darüber wird viel berichtet. Die einen empfinden es als ungeheure Anmaßung und hassen die EU dafür, dass man versucht, die meisten Länder unseres Kontinents in einer Zeitzone zu vereinen. Andere nehmen es gelassener und können dem Datum im Oktober sogar was positives abgewinnen. Ich jedenfalls finde einen Tag mit 25 Stunden super. Endlich wird es morgens wieder früher hell und abends schneller dunkel. Herbst auf Knopfdruck sozusagen. Es gibt aber offenbar viele, die dieser einstündige Jetlag nervt oder die berichten, sie mache die Zeitumstellung krank.
Neue Zeit
Uhren sind überall. Diese hier ist auf einer Burg in Bayern zu finden und stammt ursprünglich aus der 16.Jahrhundert. Zunächst gab es dort wohl eine Sonnenuhr, die nur dann abzulesen ist, wenn der sog. Polstab einen Schatten wirft. Das funktioniert gar nicht übel - vor allem völlig ohne aufwendige und teure Mechanik und sowieso ohne Strom. Die Technik existiert seit der Antike und wenn man die Geschichte nachliest kommt man nicht mehr raus dem Staunen. Die Menschen damals waren klug und wollten auf diese Weise allen Mitbürgern die gleiche Zeit kostenlos zur Verfügung stellen - vor allem um die Mittagsstunde herum. Sonnenuhren funktionieren nicht nur im Sommer, sondern auch im Dezember, auch wenn die Sonne, wie unmittelbar vor Weihnachten, ganz, ganz tief steht. Mittagszeit ist Mittagszeit.
Alte Uhren
In unseren Breiten wiederholt sich dieser Tage das gleiche Spektakel - egal, ob mit oder ob ohne Sommerzeit. Die Tage werden täglich einige Minuten kürzer. Dabei bleiben die Stunden gleich lang. Deshalb fällt es vielen Menschen schwer, aktuell die exakte Zeit einzuschätzen. Auch aus diesem Grund hat man später zunächst in Kirchtürmen, dann an Rathäusern wie in München und eben auch auf Burgen mechanische Uhren montiert. Das war absolute Hightech damals und musste sorgfältig in Stand gehalten werden. Eine dieser Wunderuhren ist im Straßburger Münster zu bewundern, die sog. "Astronomische Uhr" dort wurde ursprünglich in der Renaissance erbaut und ist das Ergebnis europäischer Teamwork, wenn man so will. Also so was wie ein Airbus en miniature.
Zeitlos
Von einer anderen astronomischen Uhr handelt der historische Roman des isländischen Autors Arnaldur Indriðason "Der König und der Uhrmacher". Und der ist nicht nur in der dunklen Jahreszeit eine lohnende Lektüre, denn er erzählt virtuos, wie sehr sich die Zeiten seitdem verändert haben. Und das ist ja letztlich auch der tiefere Sinn der Zeitmessung - sich mit Hilfe der Uhrzeit die Welt und die Geschichte zu erschließen. Im guten wie im schlechten Sinne. Man denke nur an die Messung des Pulsschlags oder die Navigation via GPS. Oder an Begriffe wie "Arbeitszeit" oder "Freizeit". Ohne Zeitmessung sähe unsere Welt und unser Alltag völlig anders aus. Auf die Zeit kann man sich verlassen, sie bleibt gleich, ob mit oder ohne Uhr. Und egal, ob sie die kleine "Zeitenwende" jetzt Ende Oktober lieben oder hassen: Die Messung der Zeit ist etwas, was bleiben wird.




Kommentare