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Arkadien in der Pfalz

  • Autorenbild: Gunnar Petrich
    Gunnar Petrich
  • 17. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit
Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben mit Blick auf Weinbergen - Highlight in der Südpfalz

Vorgestern besuchte ich ein kleines Schloss, das ich aus meiner Jugend kenne: Die Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben. Das Gebäude aus den 40er Jahren des 19.Jahrhundert wurde über mehrere Jahre sorgfältig restauriert und ist inzwischen wieder für Besucher zugänglich. An einem normalen Wochentag ist es nicht allzu überlaufen, doch jetzt, Mitte April 2026, zieht sie schon wieder viele Menschen an. Es ist ein Ausflugsziel, das sich wirklich lohnt. Ein kleines Juwel und gleichzeitig ein Stück Bayern mitten in der Pfalz. Ein Ort, an dem man fast so etwas wie "arkadische Gefühle" mitten in Deutschland entwickeln kann. Dazu später mehr. Denn zunächste einmal ist die Villa Ludwigshöhe ein kleines Sommerschloss, das sich König Ludwig I. von Bayern in der Pfalz errichten lies - die gehörte damals zu seinem Königreich. Der Wittelsbacher war begeistert von der Antike - und von der Südpfalz. Und die ist tatsächlich eine außergewöhnliche Landschaft - sie grenzt nicht nur an Frankreich, sondern bietet neben guten Weine südeuropäischen Flair: Terroir und ein besonderes Licht.


Faszination Pompeji


Ludwig I. steht im Schatten seines Namensvetters Ludwig II, der als Märchenkönig bekannt ist und dessen Schlösser wie Neuschwanstein Jahr für Jahr von Millionen Touristen besucht werden. Doch Ludwig I. ist in meinen Augen mindestens genau so interessant, ihm sind viele der spannenden Gebäude und Sichtachsen in München zu verdanken, die das Stadtzentrum bis heute italienisch prägen. Als Kronprinz hatte Ludwig mehrfach Italien bereist und sogar an Grabungen in Pompeji teilgenommen. Insgesamt rund 40 Mal war er im Süden, erfährt man in der Ausstellung vor Ort und weil er so fasziniert war von der Antike, hat er auch in Südpfalz Spuren dieser Faszination hinterlassen. Schloss Ludwigshöhe steckt voller Ideen dieser Zeit und nach dem Erwerb des Areals in Edenkoben erfolgte die Grundsteinlegung 1846. Die Baugeschichte ist kompliziert, das Gebäude wurde erst 1852 vollendet. In den 62 Räumen der Villa sind überall die pompejanischen Wandmalereien erhalten bzw. frisch restauriert und auch die Mosaikfußböden zitieren Vorbilder aus der römischen Antike.


Römisches Design


Dieses alte und gleichzeitig hochmoderne römische "Design" faszniert Besucher bis heute und man kann es weltweit in Schlössern, Luxushotels und in der Mode entdecken - selbst Tapeten, Bettwäsche und Pullover zitiert derlei antike Formen. In der Villa Ludwigshöhe prägt es das komplette Ensemble und der größte Raum wird regelmäßig für Konzerte der Stiftung "Villa Musica" genutzt. Ludwig I. selbst blieb der Nachwelt vor allem wegen seiner Affäre mit der Tänzerin Lola Montez bekannt, er musste deshalb im Revolutionsjahr 1848 abdanken und den Thron seinem Sohn Maximilian II. überlassen. Er selbst kam 1852 zur Einweihung nach Edenkoben und weilte jeweils immer im Juli und August in der Villa, bis zwei Jahre vor seinem Tod 1866. Später wurde die Sommerresidenz vom Land Rheinpfalz-Pfalz übernommen und im Museum erinnert ein Raum daran, dass das Schloss als offizielles Gästehaus diente, in dem sich u.a. Helmut Kohl mit Francois Mitterand trafen. Ob es dabei den berühmten Pfälzer Saumagen gab, habe ich nicht erfahren, aber die unterschiedliche Nutzung eines solch historischen Bauwerks ist immer wieder spannend.


Arkadien in der Pfalz


Natürlich hat die Südpfalz überhaupt nichts mit der griechischen Landschaft Arkadien zu tun. Und Arkadien selbst war in der Antike vermutlich eine typisch, wahrscheinlich eher ärmliche Region und nicht so überhöht, wie sie später immer wieder herbeifantasiert wurde. Aber die Vorstellung, es gäbe so etwas wie ein kleines Paradies mitten im antiken Griechenland, mit Hirten und Nymphen, mit Göttern und glücklichen Menschen durchzieht die komplette europäische Kulturgeschichte. Es gibt unzählige Bilder, in denen sich Maler diese Zeit darstellen, es gibt Opern und sog. "Masques" wie Händels Einakter "Acis und Galatea", die in dieser Landschaft angesiedelt sind.


Sehnsucht nach der heilen Welt


Es ist eines der unbekannten unter den vielen großartigen Werk des großen britischen Komponisten, der mit seinen deutschen Wurzeln gleichzeitig auch unserer Kultur eng verbunden blieb und von dem ich nicht weiß, ob er sich eher als Deutscher oder als Brite fühlte. Als ich vor zwei Tagen eine Stunde lang auf der sonnigen Terrasse in Edenkoben saß, spürte ich mal wieder so etwas wie dieses besondere "arkadische Gefühl". Der ganze Wahnsinn unserer Zeit, der Klimawandel und die gefährdeten Arten, die Kriege in der Ukraine und im Heiligen Land, im Iran und im Sudan, die "Handvoll Tyrannen", von denen Papst Leo XIV. sprach, sie waren in der Südpfalz plötzlich ganz, ganz weit weg. Dort oben spürte ich sie wieder, die Sehnsucht nach einer Welt, in der vieles deutlich besser war - und vielleicht mal wieder sein wird.








 
 
 

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