
Projekt
Was bleiben soll
Auf diesem Foto ist mein Opa Paul zu sehen. In der unteren Reihe links. Er kam 1916 als Soldat ins sog. "Heilige Land" und besuchte sogar Ägypten und die Pyramiden. Ich habe vor drei Jahren Fotos und Briefe von ihm entdeckt. Paul fuhr das erste Auto im Dorf und war erfinderisch. Erinnerungen wie
diese möchte ich meinen Kindern und anderen Menschen hinterlassen - Geschichten aus dem eigenen Leben. So kam ich auf die Idee zu diesem Projekt.

Erinnerungen
Jede Nacht in einem anderen Bett zu schlafen ist für kleine Kinder nicht einfach. So war das damals im Notaufnahmelager Marienfelde. Ich habe mich später in der Schulzeit für Kinder in Not engagiert, im Zivildienst um Verletzte gekümmert und Menschen getroffen, die mit ihrer Alkoholsucht kämpften. Ich arbeitete u.a. in einer Druckerei, einer Gießerei und in der BASF. Das war manchmal nicht einfach, aber es war mein Leben. Heute erinnere ich mich gern an diese Erlebnisse - an die guten und an die schlechten Zeiten.

Und heute?
Heute bin ich im Ruhestand. Also Rentner. Erlebe zum Beispiel Altersdiskriminierung. Boomer sind angeblich an allem schuld. Ich bin aktiv, unternehme Radtouren mit dem klassischen Bio-Bike. Meine Smartwatch informiert mich über die Herzfrequenz und ob ich mich genug bewege. Zudem spiele ich Klavier und lerne neue Sprachen. Eigentlich ist es ganz einfach: Lebenslanges Lernen macht glücklich.

Journalistenbüro für Familiengeschichten
Das Kind in dem VW-Käfer bin ich, fotografiert von meinem Papa. Anfang der 60er Jahre während eines Familienausflugs. Eigentlich stammen wir aus der Nähe von Dresden und besaßen dort eine Mühle mit Bäckerei. 900 Brote lieferten wir täglich. Doch dann erhielten meine Eltern kein Getreide mehr. 1960 verließen wir die DDR, lebten über ein Jahr lang in Flüchtlingslagern. Diese Zeit hat mich geprägt und bis heute faszinieren mich Menschen mit ihren Geschichten

Wie ich zum Schreiben kam
Ich war viel unterwegs im Leben, war zum Beispiel in den 70igern in Goa. Studiert habe ich auch, ich war der geborene Helfer. Doch ein Leben als Sozialarbeiter oder Lehrer war nicht mein Ding. Irgendwann hatte ich die Nase voll, ging in die Kultur-Redaktion einer Zeitung und erhielt erste Aufträge als Reporter. Danach habe ich einige Jahre durchgearbeitet, entdeckte einen Beruf, der mich bis heute fasziniert. Nach dem Volontariat beim HR und zwölf Jahren als freier Journalist war ich 25 Jahre fürs ZDF tätig. Mehr dazu hier

Vertrauen
Unterwegs auf Dreharbeiten für eine Sendung aus der Reihe 37 Grad über psychisch kranke Menschen, die eine Reise auf der Elbe unternehmen. Als Reporter und Redakteur habe ich viele Interviews mit Menschen geführt: Mit Sterbenden im Hospiz und Ärzten im OP, mit Bettlern und Glückspilzen, mit Schweinezüchtern im Breisgau und Eisverkäufern in Simbabwe. Menschen haben mir vertraut. Und sich wiederentdeckt in meinen Geschichten.

