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Unter Strom

  • Autorenbild: Gunnar Petrich
    Gunnar Petrich
  • 16. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Ich habe unglaublich viel Respekt vor Handwerkern. Menschen, die mit dem Kopf und den Händen arbeiten und meistens sehr genau wissen, was sie da tun. Neulich habe ich Handwerkern zugeschaut, die auf einer erneuerten Straßenbahnlinie eine komplett neue Oberleitung montiert haben. Sechs Männer, vermutlich Starkstromelektriker, die mitten in der Mittagshitze dieser warmen Sonnentage die massiven Kuperleitungen montiert haben. Also Kabel ausrollen, hochziehen, an vorhandene Träger verankern und die Stromversorgung sicherstellen.


Blick nach oben


Normalerweise schaut man selten auf elektrische Oberleitungen, manchmal kann man die Leitungen bewundern, etwa beim Sonnenuntergang. Dabei entstehen dann tolle Fotos, die sogar ein Plattencover der Jazzband Weather Report geschmückt haben. In der Regel nimmt man es als gegeben an, dass überall im Haus oder in der Industrie oder dort, wo elektrische Züge oder Straßenbahnen fahren, Strom fließt und alles funktioniert. Im Gegensatz zu den USA oder Kanada sind bei uns die meisten Stromleitungen unterirdisch verlegt. Diese Kabel und Leitungen sieht man nur in Tiefbau-Baustellen. Diese Kabel sind übrigens ebenfalls sehr beeindruckend.


Netzwerker


Der Tag neulich war wieder einer der seltenen Momente, wo man quasi erleben konnte, wie kompliziert ein Strom-Leitungsnetz eben doch ist. Nicht nur die Montage, auch die Aufhängung und Absicherung der schweren Kupferleitungen war beeindruckend. "Einfach ist schwer", hatte ich in meiner Ausbildung gelernt und das gilt für Kunstwerke ebenso wie für Musik. Und für elektrische Oberleitungen trifft dieser Satz auf jeden Fall zu.


Geht doch ...


Gleichzeitig war es mal wieder einer der Momente, an dem man sehen konnte, dass das ewige Schlechtreden unseres Landes vor allen von einer bestimmten Partei überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Etwa, wenn man zusieht, wie eine Oberleitung in einer Kurve verlegt. Das Team der Mainzer Netze war eingespielt und arbeitete angesichts der Komplexität der Aufgaben superschnell. Wenn jetzt wieder problemlos die Straßenbahnen rollen, kann man sich freuen, dass das lokal komplett CO2 neutral sein wird. Und gleichzeitig ein sehr leistungsfähiges Verkehrssystem ist.


Freiheitsenergie


Und noch etwas ging mir dabei durch den Kopf - Elektrizität macht unsere Gesellschaft unabhängiger von Öl- oder Gas-Importen aus Ländern, in denen Despoten das Sagen haben. Übers Jahr verteilt beziehen wir aktuell heute rund 60 % unserer Energie aus nachhaltigen Quellen. Sei es von Windrädern oder von Solarpanels auf Hausdächern, sei es von den Wasserkraftwerken am Inn oder von Biogas-Anlagen in Niedersachsen. Diese Energie setzt keinerlei zusätzliches CO2 frei und überhaupt brauchen wir relativ selten Strom-Importe von Netzlieferanten unserer Nachbarn. Dass französische Atomenergie unsere Stromnetze stabil hält, ist eine Lüge, der meiste importierte Strom kommt aus Dänemark oder anderen Ländern. Und aktuell in der Sommerhitze, in "la canicule", kann man mal wieder erneut erleben, dass bei unseren Nachbarn Reaktoren aufgrund überhitzter Flüsse runtergefahren werden müssen.


Drohkulisse


Viele Fachleute gehen davon aus, dass sowieso immer leistungsfähigere Batteriespeicher in naher Zukunft auch bei uns eine wichtige Rolle spielen werden. Alles in allem ist es natürlich eine komplexe Diskussion, in der unglaublich viel mit den Ängsten vor Veränderung gespielt wird. Und es geht auch um die Macht der großen Energieversorger. Dabei wird es der Umstieg auf eine sichere Energieversorgung vermutlich viel besser laufen, als uns die Lügner und Faktenverdreher weismachen wollen. Eine paar Zahlen haben mich neulich tief beeindruckt: 2004 dauerte es noch ein komplettes Jahr, um weltweit ein Gigawatt Solarstrom zu produzieren. 2010 brauchte das noch einen Monat und 2023 - nur noch einen Tag. Wir werden vermutlich also bald genügend günstigen Strom haben, um einen vergleichbaren Lebensstandard zu halten. Ein expotentielles Wachstum, das bleiben soll.







 
 
 

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