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Tulpenmanie

  • Autorenbild: Gunnar Petrich
    Gunnar Petrich
  • 6. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 17. Apr.

Rote Tulpen in einem Garten - Frühling

Seit einigen Tagen blühen diese Tulpen im Garten von Freunden. Endlich Farbe statt graugrünbraunem Einerlei. Tulpen leuchten oft knallig und irgendwie haben sie was trotziges. Obwohl sie milliardenfach angebaut und verkauft werden, sind sie gleichzeitig einfach schöne Blumen, die gegen Ende des Winters die Welt erblühen lassen. Vor einem Jahr war ich in München in einer bemerkenswerten Ausstellung über Rachel Ruysch. Die grandiose Malerin lebte von 1664 bis 1750 in den Niederlanden und war zu ihrer Zeit eine bedeutende und berühmte Stilllebenmalerin. Ihre Werke waren und sind teuer und man findet sie in zahlreichen europäischen Sammlungen. Wer mehr über Rachel Ruysch erfahren will, findet im Netz zahlreiche informative Artikel über sie und ihr Schaffen.


Liebe zu Details


Rachel Ruyschs Vater war ein berühmter Anatom, von dem sie auch viel über Botanik lernte. Und von ihr wiederum kann man viel übers Sehen lernen. Ihre Bilder sind Wunderwerke voller Licht und Schatten und voller Details und sie hatte das Glück, dass damals im "Goldenen Zeitalter" der Niederlande nicht nur unglaublich viele Kunstwerke entstanden, sondern wissenschaftliche Erkenntnisse hoch geschätzt wurden. In den Gärten und Gewächshäusern erblühten unbekannte tropische Pflanzen, die die Menschen bei uns vorher nicht kannten. Ruyschs Werke gleichen einem Ausflug in eine Welt des fotografischen Realismus und wer ihre Bilder sieht, wird an Bilder ihrer Zeitgenossin Maria Sibylla Merian denken, die in der gleichen Epoche, im Alter von 52 Jahren gemeinsam mit ihrer Tochter, sogar eine jahrelange und beschwerliche Reise nach Surinam unternahm, um die Welt der tropischen Raupen und Schmetterlinge vor Ort zu studieren und malen zu können. Ruysch und Merian waren Meisterinnen ihres Fachs, beide standen mitten im Leben, beide gehören zu den vergessenen Frauen, deren geniale Werke erst in den vergangenen Jahren endlich entdeckt und gewürdigt werden, nachdem vorher fast nur männliche Künstler im Fokus standen. Aber das ist eine andere Geschichte.


"Tulipomanie"


Auf den Stillleben von Rachel Ruysch entdeckt man unter anderem zahlreiche geflammte Tulpen, wie man sie heute eher selten sieht. Viele darunter sind verschwunden. Blumen wie diese aus der Gattung "Tulipan" kamen ursprünglich aus Persien, also aus dem Iran, und aus der Türkei zu uns und waren in den frühen Jahrzehnten des 17.Jahrhunderts in den Fokus von Sammlern geraten. Sie wurden gern in den Gärten reicher Bürger und Adliger gezüchtet und kultiviert, man glaubte sogar an eine medizinische Wirkung, und zählte einige hundert unterschiedliche Pflanzensorten zu ihnen. Oft tauschte man sie, aber nachdem immer mehr Markteilnehmer in den Handel mit diesen angeblichen Wunderpflanzen einstiegen und spekulierten, löste der Hype um ihre Zwiebeln in den Jahren zwischen 1630 bis 1637 die sog. "Tulpenmanie" aus - eine der ersten gut dokumentierten Spekulationsblasen der neueren Geschichte. Innerhalb weniger Jahre wurden bestimmte Tulpenzwiebeln immer teuer gehandelt, es gab sogar Optionsscheine, und 1637 sind drei Zwiebeln für angeblich 30.000 Gulden angeboten worden. Dies entsprach dem Gegenwert von drei teuren Häusern an einer Amsterdam Gracht, und so war es keine Überraschung, dass diese Spekulationsblase im Mai 1637 einfach platzte. Ökonomen haben dazu viel geforscht und bieten unterschiedliche Erklärungen an und es könnte sein, dass die Pest seinerzeit solche hochspekulativen Geschäfte quasi förderte. Jedenfalls platzte die Blase und viele Menschen verloren viel Geld - und Vertrauen in die "Kräfte des Marktes".


Spekulationsblasen damals ...


Die "Tulipomanie" inspirierte zahlreiche zeitgenössische Maler (u.a. Jan Brueghel d.J.) und bis in die Gegenwart hinein haben nicht nur Ökonomen und Historiker, sondern auch Schriftsteller Bücher über dieses Phänomen verfasst. Sie gilt als Musterbeispiel für eine völlig überhitzte Spekulationsblase. In unseren Tagen wird spekuliert, ob nicht der aktuelle Hype um künstliche Intelligenz oder um Raumfahrt eine vergleichbare Spekulationsblase mit völlig überhöhten Kursen auslösen kann, ich persönlich weiß darüber nichts und kann in keinster Weise einschätzen, ob wir nun vor einem neuen "Goldenen Zeitalter" stehen oder nicht. Übrigens gilt selbst das Edelmetall Gold mit seinen aktuell hohen Kurs als volatil und da kann niemand vorhersagen, ob nicht auch der dieser Kurswert mittelfristig mal wieder deutlich einbricht. Ich habe mich durch Zufall heute mit Freunden über den Klondike-Goldrausch unterhalten, der von 1896 - 1899 dauerte und rund 100.000 Menschen anzog. Einer unter ihnen war Jack London und mich haben dessen spannenden Bücher so fasziniert, dass ich als Studen in den 70er Jahre nach Alaska und Kanada reiste und zu Fuß über den 1067 Meter hohen Chilhook Pass wanderte, um mir den Trail und später auch Dawson City anzusehen. Damals standen oben noch Reste einer alten Dampfmaschine, mit der die Vorräte der Goldsucher gegen Bezahlung hochgezogen wurden. DIe meisten trugen sie auf ihrem Rücken hoch und oben kontrollierte die Royal Canadian Mounted Police alle Goldsucher, jeder musste Vorräte für ein Jahr mit sich führen, wenn ich mich recht entsinne. Eine Unze Gold kostete damals rund 16 Dollar und das entspricht wohl einer aktuellen Kaufkraft von mehr als 600 USD.


... und heute


Heute steht Gold nach einem Allzeithoch Anfang April 2026 wieder unter 5.000 US-Dollar und gilt trotz seiner Volatilität angesichts der Kriege und Krisen als "sicherer" Hafen. Anders als Tulpen, die trotz massiv gestiegener Energiepreise infolge des Irankriegs aktuell nach wie für rund EUR 2,49 - 3,99 für zehn Blüten zu haben sind. Tulpen sind also spottbillig und werden es vermutlich erst mal bleiben. Die Zeiten der "Tulipomanie" sind vergessen und vorbei und letztlich ist der Preis sowieso egal, denn Tupen haben neben einem realen Handelswert vor allem einen unschätzbaren ideellen Wert: Sie sind bunt und schön und irgendwie trotzig und erfreuen uns in unseren Breiten durch ihre schlichte Schönheit und Eleganz. Überhaupt - blühende Blumen sind trotz ihrer Vergänglichkeit Pflanzen, die unser Leben immer wieder aufs neue bereichern. Damit sind sie letztlich unbezahlbar - und das ist doch wirklich etwas, was unbedingt bleiben soll.



 
 
 

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