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Tea-Time

  • Autorenbild: Gunnar Petrich
    Gunnar Petrich
  • 31. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit
Tee-Tasse - Broken Orange Pekoe


Egal ob ein Broken Orange Pekoe oder ein Assam, egal ob ein Sencha oder ein Matcha - ich liebe Tee. Und das schon sehr, sehr lange. Seit Teenager-Tagen. Damals gab es nur wenig Espresso-Maschinen und keinen Coffee to go und Kaffee schmeckte oft nur so lala. Klassischer Bohnenkaffee kann natürlich auch sehr gut sein kann. In diesen Jahren entdeckte ich während meiner Reisen auf die Britischen Inseln den schwarzen Tee. In Deutschland gab es ein sechseckiges Tee-Ei aus Kunststoff und damit konnte man losen Tee stylisch aufbrühen. Auf diese Weise erschloss ich mir Vielfalt, Stärke, Farbe, Geschmack und die anregende Wirkung. Vom Schriftsteller George Orwell ("1984") gibt es sogar elf Regeln für die perfekte Zubereitung von Tee. Und man lernt die Welt neu kennen. Durch Namen und Orte, die für mich bis heute verheißungsvoll klingen. Darjeeling etwa oder Nuwara Eliya, die "Stadt des Lichts".


Ceylon-Tea


Sri Lanka wurde früher auf Landkarten als "Ceylon" bezeichnet und der Tee heisst bis heute so. Mich führte meine zweite große Reise auf diese traumhaft schöne Insel im Indischen Ozean. Fliegen war sehr teuer, die sowjetische Staatsairline Areoflot bot seinerzeit die günstigsten Flüge. Nach Umsteigen in Moskau landete ich auf dem Airport von Colombo. Es war meine erste Reise in die Tropen, es war exotisch, heiß und ziemlich chaotisch. Und überall trank man Tee. Internet war noch nicht erfunden, ich hatte Bücher dabei, einen kleinen Weltempfänger für die BBC und ich las Zeitungen vor Ort. Tee war (und ist bis heute) ein ganz wichtiges Exportgut und ich erfuhr, dass man auf Sri Lanka nicht unbedingt den besten Tee trank. Der hochwertigere und teure wurde und wird exportiert, , während die "fannings" und der "dust", also die kleinen Teilchen und der Staub, im heimischen Handel landet(e).


Plantage


Meine Reise führte mich per Bahn nach Hikkaduwa und Galle, alles noch ohne große Hotels damals, und später nach Kandy mit seinem Tempel, den Elefanten und dem Botanischen Garten. Dort sind Berge und wenige Tage später fuhr ich weiter, nach Nuwara Eliya. Ein Städtchen in rund 2000 Metern Höhe, eher kühl, europäisch geprägt durch Kolonial-Häuser im Stil der Viktorianischen Zeit. Dort ganz in der Nähe besuchte ich eine Teeplantage. Schon die Landschaft ist ein Traum. Teepflanzen schmiegen sich an die sanften Hügel wie ein warme Decke. Grüne, dicht beplanzte Hügel und Bergrücken und dazwischen entdeckt man bunte Flecken: Teepflücklerinnen. Es war ein Beruf für Frauen und ich erfuhr, dass sie für ihre schwere Arbeit nur wenig Geld erhielten. Sie durften, erzählte man mir, während ihrer Menstruation nicht pflücken. Und "pflücken" bedeutet, dass die in den Tropen schnell wachsenden Triebe und Teeblätter beschnitten und in Körben gesammelt werden. Eine knallharte, mies bezahlte Arbeit.


Rollen und Trocknen


Und je jünger und zarter die Triebe,.desto hochwertiger der Tee. Beim Tee ist auch die Lage wichtig, und nach der Ernte wurden und werden die frischen Blätter in ein Gebäude gebracht. Dort müssen sie zunächst "welken", danach werden sie aufgebrochen, also sanft gequetscht. Bei diesem sog. "rolling" setzen die Zellen ihren Geschmack frei. Die folgende Oxidation bestimmt die Farbe, und wird auch als "Fermentation" bezeichnet. Dieser Prozess wird sehr zügig durch heiße Luft gestoppt. Der Tee wird dabei getrocknet. Am Ende wird er in riesigen Schüttel-maschinen und je nach Blattgröße und Qualität sortiert, verpackt und am Ende verschickt. An den Wänden hingen historische Fotos von Tea-Tastern - denn die sorgen wie Sommeliers dafür, dass der Tee "richtig" gemischt wird, damit er für die Kunden klasssisch als Blend schmeckt. Es gibt sogar eine sog. Rothschild Tea Estate mit Spitzentees und wieder ein anderer Tee, las ich im Netz, soll im Jahr 2025 für 860 US-Dollar pro Kilo verkauft worden sein.


Weltgetränk


Tee ist nach Wasser angeblich das wichtigste Getränk der Welt, und grüner Tee gilt als gesund. Allerdings nur, wenn er ohne Pflanzenschutzmittel produziert wird. Viele greifen gern zu Bio-Tee und nicht weniger wichtig ist der faire Handel. Aber wie auch immer - mir hat der Tee dabei geholfen, einer Sucht zu entkommen. Denn ich gehörte zu den vielen Menschen meiner Generation, die geraucht haben. Irgendwann mit Ende 20, Anfang 30 war Schluss, und beim zweiten Versuch klappte es. Ich hasste den Gestank der Kleider und der Wohnung, rauchte immer weniger und irgendwann gab es eine letzte Zigarette. Um mir den Umstieg zu erleichtern, investierte ich das eingesparte Geld in Schallplatten - und in teure Tees. Spitzengewächse gibt es nicht nur beim Wein, sondern auch dort. Und weil ich nicht mehr rauchte, konnte ich viel besser schmecken und den Geschmack genießen. Tee hat mich mein Leben lang begleitet und eine gute Tasse Tee ist wie eine kleine Flucht aus dem Alltag. Etwas, was bleiben soll.

 
 
 

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