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Sport im Fernsehen

  • Autorenbild: Gunnar Petrich
    Gunnar Petrich
  • 9. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Feb.



Ich liebe Sport, ich treibe viel Sport, aber ich muss gestehen: Ich habe noch keine Sekunde der Winterolympiade aus Italien gesehen. Und überhaupt: Egal, ob Biathlon oder Basketball, egal ob Fußball oder Formel 1 - Sport im TV lässt mich nicht nur im Winter völlig kalt. Dass ist schon seit Schulzeiten so, schon damals konnte ich mit solchen Übertragungen wenig anfangen. Warum sollte ich mich über die Niederlagen von Mannschaften freuen, die ich sympathisch finde. Warum für „die Deutschen“ sein, nur weil wir den gleichen Pass haben?


Große Gefühle ...


Ich habe schon damals dieses Prinzip nicht verstanden. Natürlich habe ich im Lauf meines Lebens zahlreichen Länderspiele gesehen und mitgezittert, wenn es knapp wurde. Und ich liebe "Ted Lasso", diese großartige US-Serie über den amerikanischen Football-Coach, der eine britische Fussball-Mannschaft zum Erfolg führt. Ebenso grandios fand ich die Eröffnungsfeier der JO, der „Jeux Olympique“, der Sommer-Olympiade 2024 in Paris: Da war ich begeistert von der Show im Dauerregen, den Ideen und dem historischen Hintergrund: Kultur pur.


.... und viel Hass


Nur: Allzuoft ist Hass im Spiel. Die Attacke auf Daniel Nivel, den französischen Polizisten, der während der Fußball-WM 1998 von deutschen Hooligans brutal zusammengeschlagen wurde, werde ich niemals vergessen. Und ich erlebe selbst hier in Mainz an Wochenenden, wie aggressiv manche Begegnungen sind. Da sehe ich Menschen, die viel zu viel in diesen "Sport" reinlegen. Und warum bei Bengalos die Begegnungen nicht sofort abgebrochen werden, verstehe ich bis heute nicht. Auch neulich, als es im Berliner Olympia-Stadion heftig knallte. Glücklicherweise gab es keine Toten. Aber so viel Aggression, so viel Gewalt, oft alkoholbedingt. Im Netz wird unendlich viel gehetzt und 2024 verwechselten in Paris die üblichen Hater Jesus mit Bacchus. Die Algorithmen, diese software-gesteuerten Wut-Verstärker, beschleunigen solche Konflikte ultraschnell. Natürlich sind Olympia-Eröffnungsfeiern gut für die Völkerverständigung, denn man kann viel lernen über die Menschen in anderen Ländern. Olympia-Wettkämpfe sind glücklicherweise friedlich, superspannend und dadurch äußerst unterhaltsam. Auch, weil die Sportlerinnen und Sportler oft so sympathisch sind. Und dann noch die ganzen Animationen, Karten und Effekte. Gamification as it’s best, mit allen Specs, die die Kisten mit ihren Grafikchips und der Software hergeben.


Live is life


Als ehemaliger TV-Macher freue ich mich für die Kolleginnen und Kollegen und weiß, wie viel Spaß das (meistens!) macht, wie viel Herzblut, Begeisterung und Professionalität in die Übertragungen einfließt. Live ist life!  Fehler sind selten oder versenden sich und niemand kann vorhersagen, was draußen als nächstes passiert. Wer wird beim Biathlon daneben schießen, wer wird um fünf Hundertstel schneller sein oder wer das nächste Tor schießen oder nur die Latte treffen? Wer wird gewinnen, wer verlieren? Und wie schnell eine Karriere nach 13 Sekunden enden kann, war vergangenes Wochenende live zu erleben. Ich habe das verpasst. Aber Millionen Menschen haben den spektakulären Sturz von Lindsey Vonn erlebt und in den Netzwerken hat es gigantisch getrendet. Atemberaubend und traurig zugleich. Bilder, die jetzt überall zu sehen sind.


Die Macht der Bilder


Diesem Sog kann man sich schwer entziehen und es wie in ähnlichen Fällen: Nur indem man sich verweigert, kann man vom Rand aus manches klarer erkennen. Und um es nochmals deutlich zu sagen: Egal ob neulich bei der Handball-EM oder ein Spiel in der 2. Bundesliga - das alles ist wirklich spannend. Nur eben nicht für mich. Mich nervt schon der Sound, mit seinem Mix aus Zuschauergeschrei und Reporterkommentaren, die häufig viel zu wenig Distanz zeigen. Angeblich sind Millionen Zuschauer dabei Schiedsrichter, las ich kürzlich.


Unentschieden


Doch die Frage nach einem Boykott der FIFA-WM in den USA, Kanada und Mexiko, die ist nicht einfach zu beantworten. Den einen reichen schon die Bilder von Infantino mit Trump, und sie gehen hoch. Andere sehen das völlig anders und finden den POTAS toll. Auch ich habe eine Meinung dazu - aber letztlich ist es mir wurscht. Mir ist egal ist, wer 2026 „Weltmeister“ wird oder eine Medaille gewinnt. Mir ist das alles völlig egal, und ich bin happy, wenn beim Sport keine Menschen sterben. Glücklicherweise muss ich auch nicht mitreden können. Oder - um es auf Englisch zu sagen: „Not my monkeys, not my circus“. Etwas, was bleiben soll.

 
 
 

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