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Schöne Worte

  • Autorenbild: Gunnar Petrich
    Gunnar Petrich
  • 2. März
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. März


Neulich besuchte ich eine Veranstaltung mit 18 Studentinnen und Studenten aus 11 Nationen und vier Kontinenten, die über ein Erasmus-Programm zwei Jahre lang in europäischen Universitäten studieren dürfen und Zeit haben, einiges über uns und unseren Lebensstil zu lernen. Der Programm hat ein Ziel: Es soll die Teilnehmer fit machen für künftige Jobs. Angesichts des demographischen Wandels brauchen wir kluge Köpfe. Zum Konzept gehört u.a. ein Aufenthalt an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Am Ende dieser Zeit stellten die Studenten an diesem Abend ihre „Projekte“ vor: Kleine Puppenspiele, deutsch-vietnamesische Kochrezepte, ein Lied aus Ghana, Gedichte über Street-Art und kleine Booklets, aus denen manche vorlasen. Ich fand es großartig, nciht nur, weil praktisch alle ein ziemlich gutes Deutsch sprachen. Sie hatten unsere Sprache zuvor in ihren Heimatländern gelernt und konnten sich hervorragend ausdrücken. Zwei Projekte gefielen mir besonders gut - eine Chinesin schrieb eine Art mittelalterlichen Abenteuer-Roman über ihren Aufenthalt hier und ergänzte ihn mit Stichen. Und eine andere Teilnehmerin, sie heißt Nguc Nguyen, verfasste ein Booklet über „Seelenwörter“ - ich habe mir erlaubt, es oben zu zitieren.


Der andere Blick


Das kleine Büchlein hat mich sehr berührt - denn diese junge Vietnamesin dachte über Worte nach, die wir nicht mehr tagtäglich verwenden, die aber wunderschön sind: „Heimelig“ etwa, oder „Gedankenkarussell“, „Hoffnungsschimmer" etwa oder „Glücksseeligkeit“ Ihr Vortrag war auch deshalb so beeindruckend, weil sie unsere Sprache souverän analysierte und in den Texten Worte im wortwörtlichen Sinne erkundete - also deutschen Worten auf den Grund gegangen ist. Doch nicht diese junge Frau aus Vietnam war beeindruckend - ich lernte an diesem Abend Menschen aus Ghana, Indien und China kennen, die unsere Sprache teilweise präziser verwenden, als wir es selbst tun. Menschen, die mit ihrem Blick "von draussen" unseren deutschen Alltag präziser erfassen, als wir es selbst tun. .


Die kleinen und großen Rambos


Es war nicht beschönigend oder anbiedernd, sondern ein eher wohlwollender, liebevoller Blick auf uns. Und was mich tief beeindruckte - mit ihren Texten, Bildern und Liedern zeigten uns die Studenten, auf welch einer Insel des Friedens wir hier mitten in Europa leben. Denn trotz der vielen Probleme, Baustellen und Krisen ist Deutschland nach wie vor ein großartiges Land mit vielen erfolgreichen Firmen und die Europäische Union ist weltweit ein einzigartiger Versuch, große und kleine Länder auf Dauer friedlich zu einen. In einer Welt der militärischen Auseinandersetzungen leben wir auf einer friedlichen Insel. Unser größtes Problem sind die Rambos, die, wie die Schreihälse im Sandkasten, die friedlichen "Kinder" attackieren. In der Veranstaltung konnte man vergessen, wie viel Macht diese Typen inzwischen auf unser Denken ausüben, wie es wenigen Rambos letztlich gelingt, unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft, unseren Lebensstil und unsere Kultur total schlecht zu machen. Oder versuchen, uns auszuliefern an übelste Diktatoren und Oligarchen. .


Angst vor der Zukunft


Für mich wirkt es wie ein cleveres Geschäftsmodell: „Schimpfe lautstark in den üblichen Internet-Blasen und Kanälen, und du wirst, dank der undurchsichtigen Algorithmen, dafür mit Reichweite, Auflage und politischer Macht belohnt.“ Am Wochenende las ich in einer Online-Zeitung eine Reportage über den Kommunalwahlkampf in Bayern. Der Reporter besuchte Veranstaltungen, unter anderem in Dingolfing. Dort baut BMW erfolgreich Autos, die sich gut verkaufen, die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 4 % und dort ist letztlich alles bestens - wenn da nicht die unglaublich tiefverankerte Angst vor der Zukunft oder dem angeblich drohendem Niedergang wäre: Natürlich gibt es bundesweit massive soziale Schieflagen und die Infrastruktur liegt allzuoft am Boden. Aber das alles erklärt letztlich nicht die Angst vor Veränderung, die Angst vor Fremden oder vorm Ende des Verbrenners, die Angst vor Windrädern oder die Angst vor angeblich lebensbedrohlichen Impfschäden.


Einigkeit und Recht und Freiheit


In Vilsbiburg in Bayern wird zurzeit gegen einen Arzt ermittelt, der in fast 1.300 Fällen Masernimpfung abgerechnet haben soll, die er nie verabreicht hat. Impfskeptische Ärzte-Netzwerke umgehen offenbar im großen Stil systematisch das Masernschutzgesetz durch gefälschte Impfpässse und unbegründete Impfunfähigkeitsbescheinigungen. Man wird sehen, ob und wie solche Fälle juristisch geklärt werden können. Nicht nur in Deutschland - weltweit herrscht eine zunehmende Wissenschaftsfeindlichkeit und in den USA sterben inzwischen sogar wieder Kinder an den Folgen von Masern. Dabei ist in meinen Augen alles relativ einfach: Eine freie Forschung, eine unabhängige Justiz, unabhängige Medien („Press-Freiheit“) und eine unabhängige Exekutive sind demokratische Grundpfeiler, für die etwa Menschen in der Ukraine oder im Iran kämpfen - und sterben müssen. Grundrechte, die in Europa vor 100, 200 Jahren blutig erkämpft werden mussten, sind im 21.Jahrhundert teilweise obsolet und bedroht, weil sie angeblich überflüssig sind - und doch unbedingt bleiben müssen.

 
 
 

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