Kleiner Piks
- Gunnar Petrich

- 11. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Dez. 2025

Neulich bin ich zum Impfen gegangen. Impfungen gegen Grippe und Corona waren möglich, und ich habe mich für beide entschieden. Am nächsten Tag war mir etwas schummrig, aber nur eine halbe Stunde lang, und schon montags bin ich wieder ins Fitness-Studio gegangen, wie üblich, um meine Übungen zu absolvieren. Kein Problem - es war so wie bei den inzwischen fünf mRNA-Impfungen zuvor. Da ich Menschen kenne, die unter einem massiven Post-Covid-Syndrom litten, weiß ich, wie gefährlich Corona sein kann. Ich bin happy und habe keine Impf-Angst. Im Gegenteil. Aber eine Immunisierung mit Impfstoffen ist immer eine Herausforderung, weil es zwar eine gründliche klinische Validierung gibt, aber eben keine millionenfache Praxis-Erfahrung. Und es gibt ja tatsächlich Impfschäden. Nur: Ich kenne niemand persönlich, der einen erlitten hat. Und ich persönlich habe da keine Aktien drin, sowohl real bei einer der Firmen, als auch im übertragenen Sinn. Und für den Rest und für rechtliche Fragen sind Gerichte zuständig.
Schluckimpfung
Als vor Jahren die öffentliche Diskussion um Pro- oder Contra-Corona-Impfpflicht hochkochte, erinnerte ich mich an meine Kindheit. Damals liefen die Reihenimpfungen gegen Polio in unserer Grundschule, man schluckte ein Stück Würfelzucker mit dem Impfstoff gegen die sog. Kinderlähmung. Den Claim „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam“ werde ich nie vergessen, zumal ich später durch meine Arbeit Menschen traf, die tatsächlich an Polio erkrankt waren. Da war der freundliche Archivar, der immer hilfsbereit war und mit seinen unsichtbaren Beinschienen hinter dem Schreibtisch herumwuselte. Von ihm erfuhr ich, dass er seit seiner Kindheit teilgelähmt war. Sah man nicht, erfuhr man von ihm. Und Pocken, auch so eine böse Erkrankung, kannte ich nur von Büchern und durch Fotos von Pockenerkrankten. Es ist eine gefährliche Krankheit, und die, die sie überleben, sind oft ihr Leben lang gezeichnet durch Pockennarben im Gesicht. Das gleiche gilt für Masern - auch die sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern können tödlich enden.
Vorbeugung
Da ich beruflich und privat viel unterwegs war, auch in tropischen Gefilden fernab von Hauptstädten, achtete ich immer drauf, alle Schutz-Impfungen zu bekommen. Tetanus- und Hepatitis sowieso, aber auch gegen Gelbfieber und Tollwut. Und glücklicherweise kann man sich inzwischen gegen FSME, gegen eine Gürtelrose-Entzündung und in jungen Jahren gegen Gebärmutterhalskrebs impfen lassen. Ich fand und finde das großartig und war entsetzt, als ich zum ersten Mal von Robert F. Kennedy Jr. hörte, den mittlerweile von Trump berufenen US-amerikanischen Gesundheitsminister. Er trat viele Jahre lang als lautstarker Impfgegner auf, redete auf deutschen Querdenker Demos und behauptete sogar, der Menschheit würde durch Impfungen Chips eingesetzt. Positionen, die er inzwischen offiziell wohl bestreiten dürfte.
Verschwörungstheorien
Solche und ähnliche Verschwörungstheorien tauchen regelmäßig in sozialen Netzwerken auf, und letztlich weiß man nie, ob derartige antiwissenschaftlichen Thesen von zweifelnden Menschen, von Algorithmen oder von Bots massenhaft verbreitet werden. Ich kann dies alles nicht nachvollziehen. Aber ich habe gelernt, Diskussionen mit Impfgegnern oder Klimawandel-Leugnern sind sinnlos. Es sind Menschen, die Fakten und wissenschaftliche Erklenntnisse bestreiten, und da ich selbst weder Meteorologe oder Arzt oder Pharmakologe bin, sagt man mir dann immer, dazu gäbe es angeblich andere Meinungen. Klimawandel ist aber keine Meinung, Corona auch nicht. Es ist also sinnlos. Ich kenne nur Ärzte, die sich selbst und ihre Kinder impfen lassen. Und bin fest davon überzeugt: Der kleine Piks ist ein großer medizinischer Fortschritt, denn er verhindert unendlich viel Leid. Deshalb sind Impfungen in meinen Augen etwas, was unbedingt bleiben soll - und was bleiben muss.




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