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Kaffee im Café

  • Autorenbild: Gunnar Petrich
    Gunnar Petrich
  • 7. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 8. Dez. 2025


Kaffeetasse in einem Kaffee Holztisch - Hegge

Wer Bachs Kaffee-Kantate kennt, weiß, dass Kaffee viel mehr ist als ein reines Heißgetränk. Ich mit meinen sächsischen Wurzeln sitze seit Schülertagen gern im Café. Damals traf man sich in den Freistunden am Samstag (!) in der Fußgängerzone der kleinen Stadt in einem Kaffee-Geschäft, in dem es für 30 Pfennige (!) einen Filterkaffee pro Tasse gab. Man ging dorthin mit Klassenkameraden, saß aber nicht, sondern trank seinen schnellen Kaffee im Stehen. Also fast wie in einer Bar in Italien ... Wenn man mehr Zeit hatte, suchte man das altmodische, glasgoldene Café neben der Kirche auf, mit den Verheißungen einer eigenen Konditorei an der Theke. Das war ein wohnlicher Ort, nicht ganz so wie das Tomaselli in Salzburg oder das Einstein in Berlin, aber dort konnte man am Samstagvormittag in der Freistunde über Gott und die Welt reden, über doofe Lehrer oder Liebeskummer oder über den nächsten Urlaub, den man gemeinsam mit Freunden per Interrail in Griechenland plante.


Gesellig ohne Alkohol


Heute ist das eine ferne Zeit, aber das alte Café neben der Kirche gibt es glücklicherweise immer noch, es ist, glaube ich, immer noch das beste in der Stadt und die Kuchen und Torten sind weiterhin sehr, sehr lecker. Doch Dönerbuden und Backshops haben alles völlig verändert, dort bekommt man ebenfalls süße Stückchen, und einen günstigen Kaffee, allerdings im Pappbecher. Wenig Genuss für wenig Geld. Große amerikanische Coffee-Ketten gibt es in der kleinen Stadt am Rhein noch nicht und wenn es passt, kann man sich ins Café einer Bäckerei setzen. Das ist interessant, aber völlig anders, als früher. Man erlebt Menschen aller Couleur, merkwürdige und nette. Es ist gesellig, völlig ohne Alkohol.


Lachs aus dem Rhein


Vorhin hörte ich am Nachbartisch die neuesten Witze aus Oliver Welkes "Heute Show". Manchmal ergeben sich spontan Gespräche von Tisch zu Tisch, denn manche Cafés ähneln bayerischen Biergärten oder Pfälzerwald-Hütten, in denen man ebenfalls sehr freundliche Zeitgenossen treffen kann. Auf diese Weise kam ich spontan ins Gespräch mit einem Herren mit einer dieser Kappen mit dem Känguru, es war eine überraschende Begegnung. Denn der Herr trifft sich regelmäßig samstags in dem Kaffee-Shop mit Freunden - und sie sind dort verabredet, weil sie anschließend Angeln gehen. Ich erfuhr etwas übers Angeln am Rhein, denn dies ist das Hobby, das sie eint. Der unbekannte Gast kam später zurück und zeigte mir auf seinem Smartphone stolz Fotos seiner Fänge. Beachtliche Fische waren es, 40, 50 cm lang, ich glaube sogar ein Lachs war darunter, und obwohl das Wasser sauber sei, sagte er, schmeckt man doch, dass es ein Fisch aus dem Rhein ist.


Italienisches Refugium


Nachdem der Gast gegangen war, holte ich mir einen weiteren Café au Lait, um das Leben um mich herum zu genießen. Am Tisch nebenan unterhielt man sie sich über Comedians, am nächsten Tisch über einen krebskranken Freund, am übernächsten Tisch drehte sich das Gespräch um Fußball und am vierten Tisch saß eine Tochter mit ihrer auf einen Rollstuhl angewiesenen Mutter und besprach Einkäufe fürs Wochenende. So war das kleine Café mit Selbstbedienung ein Ort menschlicher Wärme, ein Ort des Redens, des Innehaltens und sich Wohlfühlen. Damit erinnert es mich an vergangene Zeiten, an denen ich mich im Stehcafé mit den Mitschülern traf, um über alle möglichen Themen zu sprechen. 100 Quadratmeter Italien mitten in  Deutschland, nur mit schlechterem Kaffee. Und selbst dieses kleine Café mitten im Supermarkt in der kleinen Stadt am Rhein erwies sich letztlich als Refugium, in dem man für 10, 15 Minuten die Mörder und Mafiosi und ihre Fans vergessen kann, die unsere Welt in diesen Zeiten dominieren. Ein Gegenentwurf, dank der Gäste, den friedlichen und freundlichen Menschen, die diesen Ort mit Leben erfüllen - ein Moment, der unbedingt bleiben soll.

 
 
 

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