Frühlingsgefühle
- Gunnar Petrich

- 22. März
- 3 Min. Lesezeit

Heute bin ich in Südbayern spazieren gegangen. Frühling liegt in der Luft, auch hier, in den bayerischen Bergen. Vögel zwitschern, oder wie es in dem schönen alten Volkslied heisst, sie jubilieren. Völlig neue Klänge. Nun geht vermutlich alles ziemlich schnell. Die Tage werden jetzt fünf Minuten länger und auch die Sonne steht wieder deutlich höher. Sie wärmt sogar und erleuchtet alles. Ich liebe solche Reflexionen im Wasser. Auf diese Weise kommt das Licht quasi von unten und taucht alles in einen rötlich warmen Farbton.
Aufbruch
Wenn man spazieren geht, verändert sich die Wahrnehmung komplett. Und anders als im Auto oder auf dem Rad nimmt man zu Fuss alles intensiver wahr. Egal ob Windstöße oder Gerüche, egal ob warme Lufttaschen oder feinste Regentropfen. Überall endeckt man erste Blüten und das helle Grün der Sträucher und Bäume. Frühling verändert die Natur und sorgt für völlig neue Farben. Dort, wo bislang alles trist und grau oder dunkelbraun ist, wird plötzlich alles knallig bunt. Das Gelb der Osterglocken oder Forsythien, das Rot derTulpen und das Rosa der Pfirisischblüten. Die Welt erstrahlt bunt.
Neuschnee
Endlich ist der Winter vorbei. In Arizona und Südkalifornien, las ich heute, wurden bereits an einzelnen Orten bis zu 44,4 Grad Celsius gemessen. Das ist verdammt heiß und wäre ein Rekord für einen 21.März. Und damit leider keine frohe Frühjahrsbotschaft. Denn in Nordamerika ist es gleichzeitig an anderen Orten weiterhin ziemlich kalt. Mein kanadischer Schulfreund schickte mir gestern ein Foto von seiner Veranda mit 5 cm Neuschnee. Das sieht bizarr aus - bei uns erblüht die Natur, und dort das erbarmungslose Grauweiß des Neuschnees mitten in der Nacht.
Gleichzeitigkeit
An diese neue Gleichzeitigkeit müssen wir noch gewöhnen. Möglicherweise ist dies eine Folge des beschleunigten Klimawandels, möglicherweise ist es sogar schon einer jener Kipppunkte, von denen in den vergangenen Jahren so oft die Rede war. In unseren gemäßigten Breiten ist aber nicht nur der Winter vorbei, sondern auch der klassische Frühling hat sich verabschiedet. Die Übergangszeit ist extrem kurz geworden. Bereits in den vergangenen Jahren war es nach den meistens etwas zu milden Wintermonaten in der Regel wieder ziemlich schnell ziemlich warm. Der Frühling als eine Jahreszeit, auf die man sich freut, wird damit praktisch zu einer Jahreszeit, in der man zu schnelle Veränderungen befüchten muss.
Grenzen des Wachstums
In einer großen deutschen Tageszeitung wurde heute ans Jahr 1972 erinnert. Das war nicht nur das Jahr der Olympiade in München, sondern auch das Erscheinungsdatum des Berichts des Club of Rome zur Lage der Menschheit: "Die Grenzen des Wachstums". Darin geht es u.a. darum, dass das lokale Handeln aller Menschen globale Auswirkungen haben wird. Ich besuchte damals die Oberstufe und weiß noch, wie bedrohlich das für einen Teenager klang. Die Menschheit müsse sofort handeln, sonst gehe alles schief, so lautete der Tenor. Der Bericht des Club of Rome hatte letztlich wenig Folgen. So wie die erste große Ölkrise ein Jahr später, 1973, mit ihren tiefen Einschnitten. Die löste zwar eine schwere Rezession aus, und es gab Tempolimits und sogar vier autofreie Sonntage. Aber schon bald darauf war alles wieder beim alten. Heute, mitten im Iran-Krieg, spricht man sogar von einer Art dritten Ölkrise. Wieder werden von der IAEO, der Internationalen Energieagentur, ähnliche Vorschläge gemacht wie damals - u.a. Fahrverbote und Tempolimits ...
Und heftige Folgen
Die aktuelle Energiekrise und die Folgen des Klimawandels verändern alles. Und nicht nur die Benzin- und Gaspreise steigen massiv. Unsere deutsch-amerikanische Freundin berichtete gestern, dass gute Bekannte in des USA zwar gern nach Kalifornien umziehen würden, aber dies wahrscheinlich nicht mehr realisieren können, weil man nach den verheerenden Bränden in Südkalifornien dort offenbar keine Häuser mehr neu versichern lassen kann. Ich kann das nicht überprüfen, es würde mich aber nicht überraschen - denn in den USA können z.B. Krankenversicherungen von Versichererseite aus Verträge kündigen, falls die Krankheitskosten auf Dauer zu hoch sind. Das ist natürlich bitter. Aber glücklichweise bei uns unmöglich - und etwas, was so bleiben soll. .




So ein netter Ausflug in die Geschichte des Eises! Überings gehöre ich auch zu der Spezies Mensch, die eine Familienpackung Eis in weniger als 3 Minuten verschlingen können. Ich habe also vollstes Verständnis für die ehemalige Kollegin. Diese Angewohnheit geht auf meine Kindheit zurück. Willst du mehr dazu hören???