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Eisdiele

  • Autorenbild: Gunnar Petrich
    Gunnar Petrich
  • 17. März
  • 3 Min. Lesezeit
Eiskugel im Pappbecher - Eisdiele

Vor einem Jahr hat in unserem "Dorf" eine kleine Eisdiele geöffnet. Sie hat viel verändert. Das junge italienische Paar verwöhnt seine Besucher regelmäßig mit neuen und raffinierten Kreationen. Ich kenne die beiden nicht persönlich, sie machen einen tollen Job. Das Eis ist wirklich köstlich und natürlich bieten die beiden neben Kugeln in der Waffel oder im Becher auch die üblichen Kreationen mit Sahne an. Sogar Eis für Hunde führen sie. Und als es neulich Anfang März richtig warm wurde, drängten sich die kleinen und großen Genießer sofort wieder vor der Glastheke. Das Eis ist toll - eine Kugel wie so ein Mango-Eis ist ein wahrer Genuss. Natürlich bieten die beiden auch Klassiker, die einen lieben Sahneeis mit Schokolade oder Pistazie, andere eher Sorbet-Sorten wie Zitrone. Ob man veganes Eis bekommt, weiß ich nicht, das hat inzwischen ebenfalls viele Fans. In Mainz gibt es seit 2013 eine sehr erfolgreiche kleine Firma, die mit ihrem leckeren selbstproduzierten Eis sehr erfolgreich sind. Eine Art Game-Changer.


Kleine Pause


Vor einem Jahr standen in unserem Stadtteil kurz nach der Eröffnung die Leute vor der neuen Eisdiele sogar Schlange. Manchmal 10, 15, 20 Menschen, die allein, als Paar oder mit den Kindern geduldig warteten, bis sie an die Reihe kamen. Eisdielen "funktionieren" überall gleich, die einen wissen sofort, was sie wollen, andere lassen sich Zeit. Kein Wunder, denn, wie gesagt, die Auswahl ist groß und weil das Eis frisch zubereitet wird, ist es wirklich lecker. Am Anfang waren sie noch etwas günstiger, aber inzwischen mussten sie die Preise wohl anpassen - auch Eisdielen kämpfen mit den üblichen Rohstoff- und Energie-Kosten-Steigerungsraten. Natürlich bekommt man beim Discounter günstigeres Eis - aber das ist dann eben kein handwerklich produziertes, so wie dieses. Und also stehen die Leute an, warten und kommen dabei manchmal sogar miteinander ins Gespräch


Piazza-Gefühle


Denn das ist ein weiterer Aspekt - eine Eisdiele ist quasi ein "kultureller" Ort. Man kommt, entscheidet, genießt - und unterhält sich vielleicht mit wildfremden Menschen über Gott und die Welt. Seit letzem Jahr hat man hier drei kleine Tische und einige Stühle aufgestellt - und seitdem sitzen dort kleine und große Menschen und genießen ihr Eis. Ab und zu kommt ein italienischer Bekannter oder Freund vorbei, und dann hört man diese wunderschöne Sprache, in der manche Sätze ganz schnell wie eine kleine Opernarie klingen. Wir Europäer verdanken Italien so viel, nicht nur verdammt gutes Eis, sondern auch wunderschöne Musik. Verdis, Rossinis oder Bellinis Werke sind nicht erst seit Pavarotti oder Callas ein echtes Weltkulturerbe. Aber das ist ein anderes Thema.


Eis am Stil


Ich esse und liebe Eis seit Kindheitstagen. Glücklicherweise hatte ich Eltern, die das gut fanden. Damals gab es manche, die glaubten, dass Eis ungesund sei. Und es stimmt ja auch manchmal. Als ich vor einigen Jahren in einer Konferenz einer Kollegin zusah, wie sie innerhalb weniger Minuten eine komplette Familienpackung verschlang, konnte ich es nicht fassen. Solche Mengen Sahne und Zucker können nicht gesund sein. Kein Wunder, kurz darauf nickte die Frau ein. Es war sicher ein süßer Tagtraum. Ich liebe seit Kindertagen eher kleine Portionen, gönnte mir als Schüler aber tagtäglich ein kleines Eis, das damals tatsächlich oft nur 20 Pfennige kosteten. Egal, ob in der Eisdiele in der Waffel oder als kleines Eis am Stil. Später wechselte ich zu anderen, raffinierten Angeboten. So liebte und liebe ich bis heute Spaghetti-Eis, Wundertüten und Nuss-Becher. Eigentlich ist es ganz einfach: Eis macht unser Leben glücklicher und leichter.


Leichtigkeit des Seins


Und wer weiß, vielleicht ist es genau diese Leichtigkeit, die die Römer hierher an den Rhein mitgebracht haben, damals vor 2000 Jahren, also sie mit den Legionären die Welt der Germanen und Kelten eroberten und veränderten. Wie das damals gewesen sein muss, kann man zum Beispiel in Trier, der größten Römerstadt nördlich der Alpen, bewundern. Oder im Saarland - dort hat man in Perl im Landkreis Merzig-Wadern eine sog. "Villa Rustica", also ein römisches Landhaus, als Freilandmuseum liebevoll rekonstruiert. Nun kann man sich im Archäologiepark "Villa Borg" ansehen, wie es damals war, als man plötzlich richtige Häuser mit Bädern baute, also mit Frigidarium und Caldarium, wie man in einer großen Küche raffinierte Speisen kochte und wie die wohlhabenden Besitzer im Triclinium Köstlichkeiten und als Dessert vielleicht (?) sogar Eis aßen. Schon in der Antike bereitete man Eis, benutze Eisquader von Gletschern oder aus Eiskellern, und ja, selbst in den Zeiten ohne Elektrizität funktionierte das. Solche Sorbets schmeckten sicher anders, aber eine Delikatesse waren sie vermutlich trotzdem. Seitdem hat italienisches Eis die Welt verändert - und seitdem hier nun eine kleine Eisdiele geöffnet hat, ist bei uns fast so etwas wie eine neue mediterrane Leichtigkeit eingekehrt. Etwas, was unbedingt bleiben soll.

 
 
 

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