Ehrlichkeit
- Gunnar Petrich

- 19. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 8. Dez. 2025

Kürzlich war ich beim Konditor in unserem "Dorf". Wir erwarteten Freunde und wollten uns mit ihnen seit langer Zeit mal wieder gemeinsam zum Kaffee treffen. Künstler wie sie sind kommunikativ. Wir kennen uns, seit unsere Kinder ganz klein waren. Also haben wir Gesprächsstoff ohne Ende. Diesmal sollte es schnell gehen, deshalb wollte ich keinen Kuchen backen, sondern Einkaufen. Ist für einen guten Zweck und trotz der hohen Preise sind wir happy, dass es vor Ort einen Konditor gibt, der köstliche Torten und Kuchen backt und sich gegen die Bäckerei-Ketten hält. Ist ja ähnlich wie wenn man den heimischen Buchhandel unterstützt.
Volles Haus
An der Theke war viel los, zwei Verkäuferinnen bedienten die Kundschaft zügig und als nächstes war ich dran. Ich wählte eine Käsesahne, eine Sacher- und eine Schokosahnetorte und entschied mich dann für zwei Stückchen gedeckter Apfelkuchen. Der wird nicht nach Stückchen verkauft, sondern nach Gewicht. Also ging die Dame zur Waage, wog das Riesenstück, drückte den Knopf - und flugs kam der Bon mit Gewicht und Preis.
Etwas stimmt nicht
Als ich zahlte wollte, wunderte ich mich, der Preis war für die fünf Stückchen Torte und Kuchen etwas zu niedrig. Als es ans Zahlen ging erschien eine Summe von etwas über EUR 16 , der Preis schien trotzdem irgendwie zu passen, denn die Verkäuferin war zufrieden und ich zahlte bargeldlos. Als ich dann aber den Kassenzettel checkte, entdeckte ich den Fehler. Statt EUR 3,63 für den gewogenen Apfelkuchen erschien auf der Rechnung nur eine Summe von EUR 0,03. Der Preis war also offensichtlich vom System falsch verbucht worden.
Und nun?
Angesichts der vollen Bäckerei zögerte ich kurz, machte dann aber sofort die Verkäuferin auf den Fehler aufmerksam. Da war es wieder. Dieses Gefühl, dass einerseits so banal und gleichzeitig so wichtig ist. Denn Ehrlichkeit ist etwas, was in meinen Augen eine zentrale Grundlage unseres Zusammenlebens darstellt. Und ich wollte nicht, dass diese Verkäuferin möglicherweise am Ende ihrer Schicht die Differenz zahlen muss. Also zeigte ich ihr den Fehler, sie war überrascht und wir einigten uns schnell, dass ich die Differenz bar nachzahle. Kein großer Aufwand, aber am Ende zwei zufriedene Erdenbürger. Eine Verkäuferin, deren Kasse stimmte, und ein Kunde, der sich selbst treu geblieben war. Wirklich kein großes Ding, aber genau darum geht es mir mit meinem Projekt - es war ein kleiner Moment für eine wichtige Erkenntnis: Ehrlichkeit - etwas, was bleiben soll.




Kommentare